← Zum Blog

Social Recruiting in der Pflege: wie es läuft und wann nicht

Florian Gallwitz - Geschäftsführer evertise - Agentur für Performance-Marketing und Social Recruiting Florian Gallwitz · Aktualisiert am 07.11.2026
Social Recruiting in der Pflege: Hand schreibt auf eine Glaswand mit dem Wort Talents

Lesezeit: ca. 8 Minuten

Kurz gesagt (Stand: November 2026)

  • Social Recruiting in der Pflege heißt: Ihre offene Stelle läuft als Anzeige auf Facebook und Instagram und erreicht auch Pflegekräfte, die gerade keine Jobbörse öffnen.
  • Interessierte füllen in wenigen Schritten ein kurzes Formular aus. Unsere Empfehlung: Rückruf am selben oder nächsten Tag.
  • Auch Pflegefachkräfte finden wir relativ schnell, denn viele sind wechselwillig, wenn das Angebot stimmt. Sogar eine Pflegedienstleitung haben wir so schon besetzt.
  • Die Werbung verstärkt nur, was im Betrieb schon da ist: Mit der gleichen Anzeige war ein beliebter Betrieb leicht zu besetzen, bei anderen kamen kaum Bewerbungen.

Dieselbe Anzeige, verschiedene Betriebe: Bei einem sehr beliebten Betrieb war alles sehr einfach zu besetzen, bei anderen bewarb sich kaum jemand. Das ist unsere wichtigste Erfahrung mit Social Recruiting in der Pflege. Dabei machen Sie offene Stellen über bezahlte Anzeigen auf Facebook und Instagram bekannt. Hier lesen Sie, wie das abläuft und woran Sie vorher erkennen, ob es für Ihren Betrieb passt. Vorwissen zu Facebook-Werbung brauchen Sie nicht.

Was ist Social Recruiting in der Pflege?

Social Recruiting in der Pflege ist Personalsuche über Anzeigen in sozialen Netzwerken, vor allem Facebook und Instagram. Die Anzeige erscheint Menschen in Ihrer Region beim Scrollen, auch wenn sie gerade keinen Job suchen. Wer sich angesprochen fühlt, bewirbt sich in wenigen Schritten direkt am Handy.

In einer Jobbörse muss die Pflegekraft selbst suchen. Auf Facebook kommt Ihre Stelle zu ihr, zum Beispiel abends auf dem Sofa oder in der Pause. Oft denkt sie in dem Moment gar nicht an einen Wechsel.

Bei Pflegefachkräften lag die Arbeitslosenquote 2025 laut Bundesagentur für Arbeit bei nur 1,1 Prozent. Wer eine Fachkraft sucht, spricht also meist jemanden an, der schon woanders arbeitet. Genau diese Menschen erreichen Sie hier. In der Altenpflege blieb eine gemeldete Stelle im Oktober 2024 laut einer Antwort der Bundesregierung im Schnitt 296 Tage offen. Wie schnell Social Recruiting in der Pflege bei Ihnen läuft, sagt diese Zahl nicht.

Ein Beitrag auf Ihrer Facebook-Seite ist übrigens etwas anderes. Den sehen vor allem Menschen, die Ihnen schon folgen. Eine bezahlte Anzeige erreicht auch alle anderen in der Umgebung.

Wo laufen die Anzeigen?

Die Anzeigen laufen auf Facebook und Instagram, weil Sie dort auch Menschen erreichen, die nicht aktiv suchen. Sichtbar ist ein Bild oder Video mit kurzem Text und einem Button. Geschaltet werden sie im Werbeanzeigenmanager, dem Werkzeug von Meta, dem Unternehmen hinter beiden Netzwerken.

Stellenanzeigen gelten bei Meta als besondere Kategorie, und auch das Gesetz setzt Grenzen:

  • Meta nennt für Europa unter anderem einen Umkreis von mindestens 15 Kilometern um den gewählten Ort (Stand 07.11.2026). Einen größeren Umkreis können Sie wählen.
  • Nach Geschlecht können Sie nicht auswählen, das Alter ist in der Regel fest auf 18 bis 65+ gestellt.
  • Eine Stellenausschreibung darf niemanden benachteiligen, das schreibt § 11 AGG vor. Ihre Anzeige sollte also nicht nach „jungen Kolleginnen“ suchen, so nett es gemeint ist.

Sie erreichen also die Region, aber nicht gezielt ein einzelnes Dorf, ein Alter oder ein Geschlecht. Was genau für Ihr Konto gilt, zeigt der Werbeanzeigenmanager beim Anlegen der Anzeige.

Eine Beobachtung aus unserer Arbeit: Meta weitet den Umkreis teils selbst aus. Dann melden sich plötzlich Menschen, die viel zu weit weg wohnen. Wer zur Frühschicht muss, überlegt sich den Weg zweimal. Fragen Sie deshalb im Formular nach dem Wohnort und prüfen Sie in den ersten Tagen, woher die Bewerbungen kommen.

Wie läuft Social Recruiting in der Pflege ab?

Niemand schickt Ihnen hier zuerst eine Mappe. So läuft es in der Regel ab:

  1. Die Pflegekraft sieht die Anzeige. Sie erscheint beim Scrollen zwischen den anderen Beiträgen, zum Beispiel mit Foto und Ort.
  2. Die Pflegekraft tippt auf den Button. Sie landet auf einer Karriereseite oder direkt in einem kurzen Formular.
  3. Die Pflegekraft beantwortet ein paar kurze Fragen. Zum Beispiel zu Berufserfahrung, Ausbildung und Wohnort und wann man sie am besten erreicht. Anschreiben und Lebenslauf sind hier nicht nötig.
  4. Sie rufen die Pflegekraft zurück. Im Telefonat klären Sie, ob es passt. Hier findet die eigentliche Vorauswahl statt.
  5. Sie vereinbaren ein Gespräch. Ab hier läuft es wie bei jeder anderen Bewerbung.

Planen Sie Zeit für Rückrufe und Gespräche ein, denn dort entscheidet sich die Einstellung.

Weil die Eckdaten schon im Formular stehen, müssen Sie am Telefon nicht alles abfragen. Steigen Sie lieber mit dem ein, was die Person eingetragen hat: „Erzähl mir mehr über deine Erfahrung.“ Wer nicht rangeht, bekommt einen zweiten Anruf zu der Zeit, die im Formular steht.

Was können Sie erwarten?

Wie viele Bewerbungen Sie bekommen, lässt sich vorher nicht seriös sagen. Der schnellste Fall von Social Recruiting in der Pflege, den wir hier nennen können, sind drei Stellen in zwei Wochen. Das ist keine Zusage.

Diese Dinge sollten Sie einplanen:

  • Sie bekommen auch Kontakte, die nicht passen. Wer nur ein kurzes Formular ausfüllt, hat weniger über die Bewerbung nachgedacht als jemand mit fertiger Mappe.
  • Nicht jeder geht beim ersten Anruf ran. Viele sitzen gerade im Dienst, genau wie Ihr eigenes Team.
  • Jemand muss sich kümmern. Unsere Empfehlung ist ein Rückruf am selben oder nächsten Tag, solange die Person noch weiß, worauf sie getippt hat.

Die drei Stellen stammen vom Pflegedienst Haupt aus Waxweiler: ländliche Lage, die Bewerber in der Region abgegrast, online war der Dienst nicht präsent. Nach einer Beratung baute der Betrieb Instagram und Facebook selbst auf und startete eigene Anzeigen. Besetzt wurden zwei Pflegehilfen und eine Küchenhilfe, Fachkräfte waren nicht dabei. Mit Fachkräften klappt es ebenfalls, dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Für welche Stellen funktioniert Social Recruiting in der Pflege?

Etwas mehr als die Hälfte der arbeitslosen Pflegekräfte sucht eine Helfertätigkeit, gemeldet sind aber vor allem Stellen für Fachkräfte und Pflegeassistenz. In Sachsen standen 2025 zum Beispiel 1.158 gemeldeten Fachkraft-Stellen nur 484 Arbeitslose gegenüber, bei den Helfern waren es 604 Stellen und 2.475 Arbeitslose. In diesem Beispiel kommen also rund vier Arbeitslose auf eine Helferstelle und weniger als eine halbe Person auf eine Fachkraft-Stelle.

StelleUnsere ErfahrungWorauf es ankommt
Pflegehelfer, Küche, HauswirtschaftMeist am einfachstenMehr Menschen suchen, der Einstieg ist einfacher
PflegefachkraftRelativ schnellViele sind wechselwillig, wenn das Angebot stimmt
Pflegedienstleitung (PDL) und StellvertretungHaben wir schon besetztDie Zielgruppe ist kleiner, das Angebot zählt besonders
NachtwacheHängt vom Betrieb abDienstmodell und Team entscheiden mit

Lassen Sie sich von den Zahlen also nicht abschrecken. Pflegefachkräfte haben wir schon oft über Social Recruiting gefunden. Bei einer stationären Einrichtung waren es sogar vor allem Fachkräfte, dazu eine PDL, eine Nachtwache und eine Hauswirtschaftskraft. Auch eine stellvertretende PDL haben wir so schon besetzt.

Helferstellen sind meist am einfachsten. Fachkräfte finden Sie relativ schnell, wenn Ihr Angebot stimmt.

Social Recruiting im Pflegeheim und im ambulanten Dienst: was ist anders?

Der Ablauf ist derselbe. Die Anzeige sollte aber andere Fragen beantworten, denn der Arbeitsalltag unterscheidet sich stark. Die Punkte hier sind unsere Empfehlung, die letzte Zeile zeigt je einen einzelnen Fall.

Ambulanter DienstPflegeheim
Das würden wir in die Anzeige schreibenTouren und Dienstwagen, falls vorhandenWohnbereich und Schichten
Der OrtNennen Sie die Orte Ihrer Touren, nicht nur den SitzEin fester Ort, also den Arbeitsweg zeigen
Frage im Formular„Hast du einen Führerschein?“„Welche Schichten passen für dich?“
Je ein Fall von unsDienst auf dem Land: zwei Pflegehilfen, eine KüchenhilfeStationäre Einrichtung: vor allem Pflegefachkräfte, dazu PDL, Nachtwache, Hauswirtschaft

Zwei Beispiele, Bewerber sprechen Sie dabei mit Du an:

  • Ambulant: „Pflegehelfer (m/w/d) in [Ort]. Deine Touren liegen rund um [Ort A, B, C]. Bewerben ohne Lebenslauf.“
  • Pflegeheim: „Pflegefachkraft (m/w/d) in [Ort], Wohnbereich [Name]. [Schichtmodell]. Bewerben ohne Lebenslauf.“

Bei einem unserer Partner funktioniert eine Standortkarte in der Anzeige gut, weil man sofort sieht: Das ist bei mir um die Ecke. Beim Gehalt empfehlen wir mindestens eine Spanne „nach Berufserfahrung und Qualifikation“. Das ist einem Partner wichtig, eine gemessene Wirkung haben wir dazu nicht.

Worauf kommt es beim Social Recruiting in der Pflege wirklich an?

Auf Ihren Betrieb. Wir hatten einen sehr beliebten Betrieb, bei dem alles sehr einfach zu besetzen war. Und wir hatten Betriebe, bei denen sich kaum jemand beworben hat, obwohl die Anzeigen genau gleich waren.

Beim beliebten Betrieb ist das Team toll und die Stimmung gut. Wer ein paar Jahre am Markt ist, bei dem spricht sich das in der Umgebung herum. Von einem anderen Betrieb hörten wir von ehemaligen Mitarbeitern, wie schlecht dort mit dem Team umgegangen wird und dass es an Weihnachten keinen Urlaub gibt. Auch das spricht sich unter Pflegekräften in der Region herum. Diesen Ruf nach innen und außen meint Employer Branding, und gegen ihn kommt auch die beste Anzeige schwer an.

Das tut beim Lesen vielleicht weh. Wir sagen das nicht als Vorwurf. Wer seit Jahren am Limit arbeitet, hat eben wenig Zeit für das, was neue Mitarbeiter als Erstes sehen. Aber die Werbung kann nur verstärken, was schon da ist.

Bevor Sie Anzeigen schalten, machen Sie deshalb diese vier Proben:

  • Schreiben Sie einen Namen und eine Vertretung für die Rückrufe auf. Steht dort niemand, starten Sie noch nicht.
  • Schreiben Sie zwei Sätze auf, warum jemand zu Ihnen wechseln sollte. Sie dürfen nicht genauso für den Betrieb nebenan gelten, „familiäres Team“ zählt also nicht.
  • Googeln Sie Ihren Betrieb am Handy und lesen Sie die neuesten Bewertungen. Würden Sie sich danach selbst bewerben?
  • Fragen Sie zwei Mitarbeiter direkt, ob sie die Stelle einer Freundin empfehlen würden. Bei einem Nein fragen Sie nach dem Grund. Sagen beide nein, setzen Sie zuerst dort an.

Manchmal sollte vor der ersten Anzeige ein Gespräch über den Betrieb stehen. Wir sind beim BAFA als Berater registriert, deshalb kann so eine Beratung gefördert werden, je nach Bundesland bis zu 80 %.

Selbst machen oder Hilfe holen?

Beides kann funktionieren. Die Frage ist, wer im Alltag die Zeit dafür hat.

Ihre LageUnsere Empfehlung
Jemand im Betrieb hat Lust und Zeit, sich einzuarbeitenSelbst machen, gern mit Beratung am Anfang
Sie suchen Fachkräfte oder eine PDL und haben keine ZeitHilfe holen, damit die Suche nicht liegen bleibt
Es bewirbt sich kaum jemand, und Sie wissen nicht warumErst den Betrieb anschauen, dann werben

Und manchmal passt es einfach gerade nicht. Wenn niemand Bewerbungen annehmen kann oder wenn es im Team so brennt, dass neue Leute nach zwei Wochen wieder gehen würden, sparen Sie sich die Anzeige lieber noch. Das sagen wir Ihnen auch offen. Meistens passen nur drei von fünf Anfragen wirklich zu uns.

Ihr nächster Schritt: Machen Sie die vier Proben von oben. Wie wir danach vorgehen, steht auf unserer Seite zu Social Recruiting für Pflegeeinrichtungen.

Mehr über uns steht auf der Startseite, weitere Texte in unserem Blog.

Häufige Fragen zu Social Recruiting in der Pflege

Warum Social Recruiting in der Pflege?

Weil Sie damit auch Pflegekräfte erreichen, die gerade nicht suchen. Bei Pflegefachkräften lag die Arbeitslosenquote 2025 bei 1,1 Prozent, die meisten haben also schon einen Job und öffnen keine Jobbörse.

Funktioniert Social Recruiting in der Pflege auch auf dem Land?

Es kann klappen, auch ohne vorherige Online-Präsenz. Der Pflegedienst Haupt aus Waxweiler hat auf dem Land drei Stellen in zwei Wochen besetzt, allerdings zwei Pflegehilfen und eine Küchenhilfe. Ein einzelner Fall, zusagen können wir das nicht.

Eignet sich Social Recruiting für das Pflegeheim?

Ja, der Ablauf ist derselbe wie im ambulanten Dienst. Bei einer stationären Einrichtung haben wir so vor allem Pflegefachkräfte besetzt. Ob genug Bewerbungen kommen, hängt auch hier vom Betrieb ab. Nennen Sie in der Anzeige Wohnbereich, Schichten und Arbeitsweg.

Brauchen Sie für Social Recruiting in der Pflege eigene Social-Media-Kanäle?

Ja, für Anzeigen brauchen Sie mindestens eine Facebook-Seite als Absender. Sie muss nicht perfekt gepflegt sein, sollte aber nicht leer wirken.

Müssen Bewerber einen Lebenslauf schicken?

Am Anfang nicht. Ein kurzes Formular reicht für den Erstkontakt. Unterlagen können Sie danach anfordern, soweit Sie sie brauchen.

Was ist, wenn keine passenden Bewerbungen kommen?

Gehen Sie die Kette durch. Wird die Anzeige gesehen, aber kaum angetippt, ändern Sie die Anzeige. Wird das Formular nicht abgeschickt, kürzen Sie es. Kommen Bewerbungen von zu weit weg, prüfen Sie Umkreis und Ortsangabe. Erreichen Sie niemanden, ändern Sie die Rückrufe. Läuft das alles und es kommt trotzdem nichts, schauen Sie auf den Betrieb. Das klären wir auch in der Beratung.

Quellen

Florian Gallwitz - Geschäftsführer evertise - Agentur für Performance-Marketing und Social Recruiting

Reden wir 15 Minuten über Ihre Situation

Sie sprechen direkt mit Florian Gallwitz. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung, auch wenn wir nicht zusammenarbeiten.

Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner